Lörmecketurm - Warstein (Deutscher Holzbaupreis 2009: Engere Wahl)

Dieser Turm am Plackweg im Arnsberger Wald zwischen Warstein und Meschede eröffnet Wanderern die Möglichkeit, auf der Aussichtplattform in 34m Höhe über die Wipfel hinweg das Panorama des Arnsberger Waldes und des Sauerlandes sowie die gesamte Hellwegregion bis weit ins Münsterland hinein zu sehen.

Als Geometrie wurde ein Translationshyperboloid gewählt. In dieser Form vereinen sich Vorteile einer offenen, filigranen Architektur mit einer effizienten und holzbaugerechten Tragstruktur. Durch die Offenheit tritt der Turm nicht als monumentale Masse gegen die vorhandene Natur an, sondern unterstreicht in seiner Leichtigkeit und seiner Bauweise das Vorhandensein des Waldes. Der Turm ist wie seine drei Plattformen - oben und zweimal in den Drittelspunkten - rotationssymmetrisch. Er gibt dem Benutzer somit ganz bewusst keine bevorzugte Blickrichtung vor.

Der Turm hat am Kopf wie auch am Fuß einen mittleren Durchmesser von ca. 7m und eine Gesamthöhe von ca. 35m. In der Mitte liegt der mittlere Durchmesser bei etwa 5m. Die Aufweitung zum Fußpunkt hin erhöht die Stabilität, die Aufweitung nach oben vergrößert das Aussichtsplateau.

Die Geometrie des Tragwerkes ist holzbaugerecht, da nur gerade Rundstäbe und gelenkige Verbindungen verwendet werden. Es kann heimisches Schnittholz (z. B. rund gefräste Douglasie) verwendet werden. Der Eingang ergibt sich durch das Weglassen eines Fußpunktes mit zwei anschließenden Stäben. Der Turm hat also nur 23 Knotenpunkte am Fuß. Die Tragfähigkeit wird dadurch kaum beeinträchtigt. Die Struktur ist in der Lange, die ankommenden Lasten über die Vielzahl der Knotenpunktverbindungen umzulagern.

Die Wendeltreppe mit den Podesten und einer zentralen Mittelstütze ist komplett von der Hülle entkoppelt. Zur Lastabtragung wird die Treppe mit vorgespannten Zugstäben an der Hülle verspannt. Dies ermöglicht eine von der Geometrie der Hülle unabhängige und gleichmäßige Höhenentwicklung der Treppe.

Die Hölzer werden kesseldruckimprägniert. Die Details sind so ausgebildet, dass sowohl sämtliche Stirnflächen durch Abdeckung als auch die Bohrlöcher mit Dichtscheiben vor Niederschlag konstruktiv geschützt sind.

Die Schlitze zum Einbringen der Flachstähle werden angeschrägt, so dass kein Wasser an den Hölzern stehen bleibt. Aus Quellen und Schwinden der Hölzer werden sich Risse im Holz einstellen. Um die Risse in Teilen zu kontrollieren, ist ein Sägeschnitt auf der Unterseite der Hölzer in Längsrichtung vorgesehen. Mit diesen Maßnahmen wird die Nutzungsdauer erheblich gesteigert. Dennoch begrenzt die Haltbarkeit des Holzes die Nutzungsdauer der konstruktiv ungeschützten Holzkonstruktion.

Bei der gewählten Konstruktion ist, wie in Bezug auf den Eingangsbereich beschrieben, die Tragfähigkeit nicht gefährdet, wenn ein einzelner Stab ausfällt. Dies eröffnet die Möglichkeit, jederzeit ohne großen Aufwand und ohne Montagestützungen einzelne, beschädigte Tragglieder zu ersetzen. Damit ist die Konstruktion auch weitgehend gegen Vandalismus geschützt. Auch für Graffiti-Kunst dürfte die Konstruktion mangels Flächen uninteressant sein.

Zur baupraktischen Umsetzung sind zwei Montagestöße (im 3. und im 8. Ring von unten) vorgesehen. Zunächst wurde das Fundament mit einer Aussparung für die Stützenfüße hergestellt. Die erforderliche Fundamentmasse ergibt sich aus den aufzunehmenden Zugkräften auf der dem Wind zugewandten Seite.

Die Turmhülle wurde liegend vormontiert und mit Mobilkranen eingehoben. Der in drei Segmente geteilte Treppenkern sowie die Podestplatten wurden anschließend in die Holzkonstruktion eingehoben und mit dieser verspannt.

Holzbaupreis NRW 2013 – Preisverleihung durch Umweltminister Norbert Remmel

PROJEKTDATEN

Bauherr:
Zweckverband Naturpark Arnsberger Wald

Objektplanung:
maas-ingenieure und Johannes Ulrich Blecke

Ausführung:
2007/2008