Neubau der Otto-Brücke - Meschede

Der Holzbrückenentwurf besteht im Wesentlichen aus Schnitthölzern. Diese werden durch Stahlbauteile ergänzt. Die Brückenkonstruktion nimmt mit ihren Bögen das Stilelement der Nepomukbrücke auf, die als klassische Steinbrücke flussaufwärts vom Bahnhof zur Fußgängerzone führt. Gleichzeitig nimmt die flachgeneigte Ausführung der Bögen Rücksicht auf die, wenige Meter weiter flussabwärts vorhandene, höher liegende Coventry-Brücke.

Die Holzbrücke bleibt bewusst flach, um die Überschneidung ihrer Ansicht mit derjenigen der vorhandenen Straßenbrücke zu vermeiden. Die angrenzenden Wegesituationen werden unverändert übernommen.

Die Neuplanung sieht eine 2m breite Gehwegplatte vor. Sie ist damit um ca. 50cm breiter als diejenige der Bestandskonstruktion. Aufgrund des um ein vielfaches geringeren Eigengewichtes und der Anwendung eines effektiven, hauptsächlich über Normalkräfte wirkenden Tragsystems ist die vorgeschlagene Brücke dennoch deutlich schlanker.

Die vorhandenen Auflagerkonstruktionen bleiben erhalten und werden zur Berücksichtigung der Anforderungen an das 100jährige Hochwasser im Bereich der Zwischenauflager aufgestockt. Entgegen der Situation der Bestandsbrücke wurde die Konstruktion der neuen Brücke weitgehend auf der Höhe der Gehwegplatte angeordnet. Dabei folgt die Gehwegplatte in stark abgeschwächter Form dem Verlauf der Bögen. Im Bereich der Auflager ist die Gehwegplatte am oberen Binderrand, in den Feldmitten am unteren Binderrand angeordnet. Die Brückenkonstruktion wird für die Nutzer in Form eines sanften Auf- und Abstiegs erlebbar.

Die Brücke kann mit vorhandenem, heimischem Schnittholz (NH) realisiert werden (alternativ auch aus BSH). Das Haupttragwerk bilden die drei voneinander unabhängigen Brückenfelder, die aus Holzbögen mit Stahlunterspannungen geplant sind. Die verspannten Bögen führen zu einem in sich geschlossenen Kräfteverlauf (Druck + Biegung im Bogen und Zug in den Stahlstäben). So werden nur vertikale Lasten an die Gründungskonstruktion weitergegeben, was auch die Voraussetzung dafür ist, die vorhanden Gründungsbauteile verwenden zu können.

Windlasten in Querrichtung werden von den Bindern in die FSQ-Gehwegplatte eingeleitet. Diese ist über Stahl-Winkelprofile kraftschlüssig (für vertikale und horizontale Lasten) mit den Bindern verbunden. Neben ihrer lastabtragenden Funktion für vertikale Lasten, wirkt die Platte als Scheibe für die horizontalen Lasten und leitet diese in jedem Brückenfeld unabhängig von dem Nachbarfeld zum Mittel- und/oder zum Endauflager. Jedes Feld ist an einem seiner Enden in Längsrichtung verschieblich auszubilden. Auch die Gehwegplatten erhalten an den Auflagern Fugen. So können die lastabhängigen Längenänderungen der einzelnen Felder aufgenommen werden.

PROJEKTDATEN

Auslober:
Stadt Meschede

Architekt:
Dipl.-Ing. Johannes Ulrich Blecke

Planung:
2006